Windenergie – Flaute oder neuer Auftrieb?

Windenergie – Flaute oder neuer Auftrieb?

by Sevda Taskiran

Windkraft ist neben Photovoltaik die erneuerbare Energiequelle mit dem größten Potenzial – aber auch eine, die viel Gegenwind bekommt. Besonders im dicht besiedelten NRW steht der Ausbau so gut wie still. Dazu kommt, dass 2020 die ersten Anlagen aus der EEG-Förderung fallen. Die vielen Vorteile von Windkraft machen die Suche nach neuen Lösungen jedoch attraktiv – sowohl in technologischer Hinsicht, als auch wirtschaftlich. So suchen Anlagenbetreiber neue Verkaufsmodelle. Eines davon könnte sein, den Strom unter Einsparung der Stromsteuer direkt an Großkunden in der Region zu liefern. Kommt wieder frischer Wind in den Strommix?

Potenzial in der Luft

Rein von der Technologie her ist Windkraft hervorragend zur Energiegewinnung: Die Bewegungsenergie von Luftströmen wird genutzt, um mithilfe eines Rotors einen Generator anzutreiben. So wird direkt Strom mit hoher Leistung erzeugt. Je größer und höher der Rotor, desto mehr Leistung kann gewonnen werden.

Das sind die Vorteile:

• Wind als unbegrenzt verfügbare Energiequelle.
• Hohe Leistung durch direkte Stromerzeugung.
• Geringer Flächeneinsatz – Kombination von Windparks mit weiterer Flächennutzung wie Weiden.
• Kein Rohstoffbedarf für die Energieerzeugung.
• Geringer Schadstoffausstoß.
• Neue Anlagen werden immer leiser und recyclingfähiger.
• Energetische Amortisierung schon nach 3-7 Monaten – der Energieeinsatz für Herstellung, Betrieb und Entsorgung ist dann ausgeglichen (Quelle: Bundesumweltamt).

Woher kommt die Flaute?

Trotz aller Vorteile und des Beitrags zur Energiewende bleibt Windenergie aktuell hinter ihrem Potenzial zurück. Ein Grund dafür sind regulatorische und gesetzliche Rahmenbedingungen, die den Ausbau erschweren. Viel Gegenwind kommt von Anwohnern, die sich vor allem aus Lärm- und Naturschutzgründen gegen neue Anlagen wehren. Hier gilt es neue Lösungen zu finden und an den Nachteilen von Windenergie zu arbeiten.

Das sind die Nachteile:

• Licht- und Schallemissionen – aerodynamische Geräusch-Effekte und Leuchtsignale für die Flugsicherheit können störend wirken.
• Volatile Stromerzeugung – extreme Schwankungen in der Stromerzeugung von völliger Flaute bis hin zu Stürmen.
• Direkte Nutzung erforderlich – wie bei anderen Erneuerbaren Energien wäre ein Energiespeicher für die bedarfsgerechte Nutzung nötig.
• Eingriff in Natur – die meisten Tiere stören sich nicht an Windrädern, doch einige Vogelarten und Fledermäuse werden dadurch beeinträchtigt.
• Mangelnde Recyclingfähigkeit & Nachhaltigkeit der Baustoffe – erst bei neueren Anlagen wird dies beachtet.

Auftrieb für Windkraft auf technologischer Seite

Besonders für die Energiewende sind die wirtschaftlichen, platztechnischen und klimatechnischen Vorteile von Windkraft zu groß, um diese Energieform in den Wind zu schießen. Technologische Weiterentwicklungen zielen daher darauf ab, die Belastung zu senken: So sind neue Windkraftanlagen deutlich leiser und die Rotorblätter reflektieren kaum noch. Auch Leuchtsignale für den Flugverkehr werden optimiert, um z. B. nur zu senden, wenn ein Flugzeug in der Nähe ist. Beim Bau neuer Anlagen spielt Nachhaltigkeit ebenfalls eine immer wichtigere Rolle.

Energiewende auf Abstand

Regulationen für Windenergie sollen ebenfalls helfen: Zum Beispiel mit Verordnungen für den Lärmschutz und eine naturschutzgerechte Auswahl der Windenergiestandorte – wie der Bau an sowieso vorhandener Infrastruktur wie Straßen und Freileitungen. Ein Abstand zu Wohnsiedlungen ab 5 Gebäuden soll Anwohner schützen. Dieser wurde erst vor Kurzem auf 1000 Meter festgelegt.
Problematisch ist, dass die zahlreichen Regulationen an vielen Stellen Auslegungssache sind und die Genehmigungsverfahren lange dauern – das macht den Ausbau von Windkraftanlagen oft zu einer unplanbaren Größe.

Klein-Windkraftanlagen für Unternehmen?

Der Bau eigener Windkraftanlagen für Gewerbe- und Privatkunden hat sich auf dem Markt bisher nicht etabliert. Denn die Investitionskosten sind im Gegensatz zu Photovoltaikanlagen noch zu teuer und der Ertrag weniger berechenbar. Doch ausgeschlossen ist der Bau von Kleinwindkraftanlagen im Gewerbebereich nicht. Voraussetzungen sind ein entsprechender Energiebedarf (ab ca. 400.000 kWh im Jahr), ein geeigneter Standort mit möglichst viel Wind und dem erforderlichen Abstand zu Bebauungen.

Power Purchase Agreement – Erneuerbare Energien direkt vom Anbieter kaufen

Für Großkunden, die auf erneuerbare Energien setzen möchten, öffnet sich dieses Jahr möglicherweise ein weiteres Fenster: Die ersten Windkraftanlagen fallen nach 20 Jahren aus der Einspeisevergütung. Das bedeutet Anlagenbetreiber brauchen neue Verkaufsmodelle. Denn das Einspeisen in den Netzstrom lohnt sich für sie kaum noch. Das viel diskutierte „Re-Powering“ – das Ersetzen der alten Anlage durch eine neue, leistungsfähigere Anlage und der Wiedererhalt der Einspeisevergütung – ist oft wegen neuer Regulationen nicht möglich. Eine Zukunftsperspektive ist, Strom zum Festpreis direkt an regionale Großkunden zu verkaufen. Ein solches „Power Purchase Agreement“ kann sich lohnen: Denn wenn die Anlage weniger als 2 MW Leistung hat und sich in räumlicher Nähe zum Verbrauchsort befindet, fällt die Stromsteuer weg. Und das spart satte 2 Cent pro kWh ein – gerade für Großverbraucher ein Batzen.
Übrigens: Power Purchase Agreements sind auch für Photovoltaikanlagen möglich!

Rückenwind von den Stadtwerken Düren

Die SWD sind zusammen mit verschiedenen Partnern an insgesamt 13 Windenergie-Anlagen beteiligt. Bei uns in der Region sind das die Windparks in Jüchen, Eschweiler, Kreuzau, Titz und Körrenzig. Auch der Windpark Echtz zählt dazu, der mit modernen Windenergie-Anlagen der 3 MW-Klasse insgesamt ca. 12.300 Haushalte mit CO2-neutralem Strom versorgt. Die SWD unterstützen im Verbund mit anderen Stadtwerken auch die GECCO GmbH & Co. KG. Diese entwickelt neue Projekte zur regenerativen Energieerzeugung in ganz Europa. Neben regionalen Windparks sind die SWD deswegen auch an internationalen Projekten wie dem schottischen Windpark „An Suidhe“ beteiligt. Insgesamt fördern die SWD mit ihren Anteilen jährlich etwa 44.000 MWh CO2-neutralen Strom aus Windkraft.

Sie wollen mehr über Windenergie wissen?

Unsere Experten bei den Stadtwerken Düren beraten Sie gerne zu allen Fragen rund um Erneuerbare Energien und die Möglichkeiten für Ihr Unternehmen. Sprechen Sie uns an!

Ihre Ansprechpartner

Dr. Markus Reuß
Tel: 02421 126 – 403
E-Mail: markus.reuss@stadtwerke-dueren.de

Christine Berger
Tel: 02421 – 126 – 417
E-Mail: christine.berger@stadtwerke-dueren.de

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