Weniger ist mehr

Weniger ist mehr

by Markus Niederhöfer

Das gilt besonders für Verpackungen. In Deutschland fallen pro Kopf und Jahr etwa 228 Tonnen Verpackungsmüll an. Tendenz: steigend. Eindeutig zu viel, findet SWD Mitarbeiter Alex und hat nach und nach den eigenen Haushalt umgekrempelt.

Irgendwann war das Fass voll – oder besser gesagt: die Tonne. SWD-Mitarbeiter Alex hatte den stetig wachsenden Müllberg satt. „Bei drei Kindern, Frau und Oma unter einem Dach kam ordentlich was zusammen“, erinnert sich der Familienvater. „Da reichte irgendwann die Tonne vor dem Haus nicht mehr.“ Statt eine größere zu bestellen, fasste er gemeinsam mit Ehefrau Yvonne den Plan: Schluss mit unnötigen Verpackungen!

Schritt für Schritt weniger Plastik

Das geht natürlich nicht von jetzt auf gleich. Erstmal wurden bereits gekaufte Shampoo-Flaschen, Seifenspender, Reinigungsmittel und andere Dinge aufgebraucht. „Alles andere wäre ja auch völlige Verschwendung“, schmunzelt Alex. Und die ganz und gar nicht ökologische Kaffeemaschine mit den Alukapseln ist natürlich auch hochkant rausgeflogen. „Ich habe mir einen Edelstahlfilter gekauft und brühe jetzt ganz klassisch von Hand auf“, freut sich Alex über das neue, liebgewonnene Morgenritual. Danach haben nach und nach festes Shampoo, Seife am Stück und unverpackte Spülmaschinentabs Einzug erhalten. „Diese Dinge gibt es mittlerweile schon preisgünstig im Supermarkt oder bei Drogerien. Was es dort nicht gibt, findet man online.“ Auch Reinigungsmittel kauft die Familie nicht mehr sprühfertig in der Plastikflasche. „Das rühren

wir selber an“, erklärt Alex. „Badreiniger, Küchen- und Glasreiniger gibt es als Tabs. Nur Wasser dazu, fertig.“ Beim Einkaufen von Lebensmitteln wird es schon schwieriger. „Beim Bauern und im Bioladen gibt es vieles unverpackt. Aber momentan versuchen wir unseren Einkauf auf einmal in der Woche zu beschränken. Da fahren wir dann zum großen Supermarkt, wo es alles gibt.“ Zum Glück mit dem Elektroauto. Und Gemüsenetze sowie ein Einkaufskorb statt Plastiktüten verstehen sich natürlich auch von selbst. Trotzdem: Einige Dinge gibt es einfach nicht unverpackt. „Am meisten nervt mich die Plastiktüte um den Salat“, stöhnt Alex. Und dann kommt Plan B ins Spiel: recyceln. Kunststoff, Metall und Verbundverpackungen wie sie zum Beispiel bei Tiefkühl- Produkten verwendet werden – alles in den Gelben Sack. Oder? „Nicht ganz“, protestiert Alex. „Damit die Maschinen viel vom Inhalt des Sacks recyceln können, sollten zum Beispiel unterschiedliche Materialien voneinander getrennt werden.“ Bestes Beispiel: Der Joghurtbecher. Er besteht aus Aludeckel, Plastikbecher und meistens noch einer Banderole. „Gespült werden muss er nicht, aber der Deckel sollte abgetrennt und am besten auch die Banderole entfernt werden“, erklärt der selbsternannte Hobby-Müllfrickler. „Meine Kinder sehen das auch nicht ein. Und deshalb hänge ich regelmäßig in der Tonne und frickle den Müll auseinander“, lacht er. Sehr vorbildlich …

Alex’ Tipps

  • Locker an die Sache ran gehen. Jeder kleine Schritt zählt.
  • Mit Reinigungs- und Hygieneartikeln anfangen – das ist am einfachsten.
  • Experimentieren! Was sich im Alltag bewährt, darf bleiben.
  • Vieles erscheint zunächst teurer. Es rechnet sich aber schon nach kurzer Zeit (Beispiel: der Edelstahlkaffeefilter)
  • Wasser aus dem Hahn ist gesund und erspart das Kistenschleppen.
  • Rückschläge akzeptieren und dranbleiben.

Nicht alles klappt auf Anhieb

Aber dann gibt es da noch den kleinen Schweinehund: „Mein Laster sind Energy Drinks. Die gibt es leider nur in der Dose. Und den Lieblings-Orangensaft meiner Frau hätte ich auch lieber in der Mehrweg-Glasflasche.“ Dafür läuft es an anderer Stelle umso besser: „Yvonne hat Lappen aus alten Handtücher genäht. Die nehmen wir zum Spülen, Putzen und statt Küchenpapier.“ Auch Alu- und Frischhaltefolie hat die Familie komplett aus der Küche verbannt. Stattdessen stapeln sich Glasdosen mit festem Deckel im Kühlschrank. „Mein Tipp: Beim nächsten Einkauf an der Frischtheke einfach mal nachfragen. Einige Märkte akzeptieren mitgebrachte Behälter.“ Und schon ist wieder ein Stück Verpackung gespart. Überhaupt: Das Wichtigste bei der Umstellung auf ein verpackungsarmes Leben – nicht alles so eng sehen und einfach mal experimentieren! „Was sich gut im Alltag bewährt, bleibt, alles andere eben nicht“, bringt es Alex auf den Punkt. So wie die Backfolie – die musste leider nach kurzer Testphase wieder gehen.

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