Restlos glücklich! Wie lässt sich die Lebensmittelverschwendung vermeiden?

Restlos glücklich! Wie lässt sich die Lebensmittelverschwendung vermeiden?

by Grit Irmscher

Kaum jemand gibt es gerne zu, wohl fast jeder tut es – Essen wegwerfen. SWDMitarbeiterin Lena will’s wissen: Lässt sich diese Verschwendung vermeiden?

Hier mal ein trockenes Brot, das in die Mülltonne wandert, da mal eine braune Banane. Klar, das passiert jedem. Aber in Summe kommt da ganz schön was zusammen: Elf Millionen Tonnen Lebensmittel werden laut Bundeszentrum für Ernährung jedes Jahr in Deutschland weggeworfen. Die Deutsche Umwelthilfe rechnet sogar mit 18 Millionen Tonnen. Dabei wären viele Lebensmittel, die entsorgt werden, noch gut. Die krumme Karotte oder die unförmige Kartoffel zum Beispiel. Allein beim Beginn der Wertschöpfungskette, in der Landwirtschaft, werden viele Erzeugnisse erst gar nicht geerntet, weil sie nicht den Schönheitsidealen des Marktes entsprechen. Auch im Supermarkt bleibt Ware liegen, weil sie nicht den optischen Ansprüchen der Verbraucher genügt.

Quelle: Melanie Fredel Fotografie – Gerade bei Milchprodukten kann man sich auf seine Nase verlassen. Riechen sie stark säuerlich, besser nicht mehr verwenden.

Nichts für die Tonne

SWD-Mitarbeiterin Lena versucht schon seit längerem, Essensabfälle zu vermeiden. Das fängt beim Einkauf an: „Ich schreibe mir vor dem Einkaufen eine Liste, damit ich mich auf das beschränke, was ich brauche.“ Außerdem kauft sie gern auf dem Wochenmarkt ein. „Dort gibt es saisonales Obst und Gemüse auch von regionalen Anbietern.“ Ein weiterer Pluspunkt. Denn durch die teils langen Transportwege – zum Beispiel von exotischen Früchten – schafft es nicht jedes Produkt frisch und unbeschadet an den Zielort. Ganz zu schweigen von dem
enormen Nachteil fürs Klima, wenn Lebensmittel von weit her mit dem Flugzeug angeliefert werden.

Quelle: Melanie Fredel Fotografie

Seit einiger Zeit nutzt Lena auch die App „Too good to go“ – übersetzt „zu gut zum Wegwerfen“. Darüber kann man bei Cafés, Restaurants, Bäckereien oder Supermärkten übrig gebliebene Lebensmittel kaufen, die sonst weggeworfen werden. Und das funktioniert so: Kurz vor Ladenschluss schauen die beteiligten Läden, welche Lebensmittel nicht verkauft wurden und bieten sie vergünstigt über die App an. „Ich zahle nur etwa ein Drittel des eigentlichen Warenwertes, dafür erfahre ich aber auch erst beim Abholen, was ich bekomme“, erklärt Lena. „Magic Bag“ werden die Pakete genannt. Eine grobe Übersicht über den Inhalt dieser „Wundertüten“ liefert die App aber schon. So ist aus der Beschreibung zumindest ersichtlich, ob es sich um Obst und Gemüse, Backwaren, Molkereiprodukte oder ähnliches handelt. Über Filter lassen sich auch Ernährungsvorlieben, zum Beispiel „vegan“, und andere Kriterien auswählen.

Quelle: Melanie Fredel Fotografie

Überraschung inklusive

Die Eingabe eines beliebigen Ortes und des gewünschten Umkreises sorgt dafür, dass die App nur relevante Angebote zeigt – die zum Beispiel auf dem Weg vom Büro nach Hause liegen. In Düren beteiligen sich Filialen verschiedener Supermarktketten, einige Bäckereien und sogar eine Tankstelle. „Nur Restaurants gibt es hier noch keine“, bemängelt Lena. Aber das kann sich jederzeit ändern. Das Angebot von „Too good to go“ wird gut angenommen: „4,6 Millionen Menschen retten schon Essen mit uns in Deutschland“ schreibt der Anbieter auf seiner Website.

Heute interessiert sich Lena für das Obst & Gemüse-Angebot eines Supermarktes. Sie hat Glück: Einmal ist das Angebot noch verfügbar. „Das ist der Nachteil: Man muss echt schnell sein, sonst ist direkt alles vergriffen.“ Das Angebot reserviert Lena einfach per Klick und zahlt vorab: 3,50 Euro statt 10 Euro. Verschiedene Online-Zahlungsmethoden stehen zur Verfügung, Barzahlung im Laden ist leider nicht möglich. In der App erfährt Lena, dass sie die Bestellung fertig verpackt zwischen 16 und 20 Uhr abholen kann. „Das ist gut“, findet sie. Einige Anbieter haben nur kurze Zeitfenster für die Abholung. „Manchmal sogar nur eine halbe Stunde.“

Quelle: Melanie Fredel

Nach der Arbeit schwingt sich Lena auf ihr Rad – das will sie in Zukunft auch viel öfter nutzen – und fährt zum Supermarkt. An der Kasse zeigt sie den Kaufbeleg in der App vor und bekommt eine große Tüte mit Äpfeln, Orangen, Bananen, Zwiebeln, Suppengrün, Lauch, Zucchini, einer Schlagengurke und einem Salat. Das Abendessen ist gesichert. Lena kocht einen großen Topf Gemüsesuppe, zwackt eine Portion für das Mittagessen am nächsten Tag ab und friert den Rest ein. Ihr Fazit: „Die App ist echt gut. Bisher habe ich nur super Ware bekommen. Da ich nicht selber auswähle, probiere ich manchmal sogar Dinge, die ich normalerweise nicht kaufen würde.“ Und ein gutes Gefühl macht es natürlich auch, wenn nichts weggeworfen wird. „Es kann auch zuhause passieren, dass etwas vorzeitig verdirbt und man es wegwerfen muss. Aber solange das eher Ausnahmen sind, ist schon viel gewonnen“, meint Lena. Und je mehr Leute Acht darauf geben und bewusster mit Nahrung umgehen, umso besser.

 

 

 

Grit Irmscher

Online Marketing Managerin

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