Umdenken – Da haben wir den Plastik-Salat

Umdenken – Da haben wir den Plastik-Salat

by Grit Irmscher

Plastik ist praktisch, vielseitig und günstig. Einst viel gelobt, beschert es uns heute ein enormes Umweltproblem. Mehr als 300 Millionen Tonnen werden jährlich produziert. Ein großer Teil davon landet in den Meeren, die sich somit in eine gefährliche Plastiksuppe verwandeln.

Plastik ist überall. Vor allem Verpackungen und Wegwerfware verschmutzen auch die Meere und bedrohen unsere Gesundheit. Die Grafik zeigt eine Auswahl von Fakten.

Müll-Tonnen

Etwa 80 bis 90 % des weltweit anfallenden Abfalls besteht aus Kunststoffen. In vielen Teilen der Welt landet der Müll auf der Straße und letztlich im Meer. Laut Umweltbundesamt sind es pro Jahr rund 30 Millionen Tonnen Plastikmüll, die in die Ozeane gelangen. Tendenz steigend.

Plastik-Tod

Jährlich kosten Plastikabfälle Schätzungen zufolge rund 100 000 Meeressäugern wie Delfinen oder Seehunden und etwa einer Million Meeresvögeln das Leben, weil die Tiere Teile verschlucken beziehungsweise sich darin verheddern.

Flaschen-Berg

Allein Coca-Cola produziert in einem Jahr mehr als 88 Milliarden Einwegplastikflaschen. Das sind 167 000 Flaschen pro Minute. Vor allem Flaschenringe und Deckel werden vielen Meerestieren zum Verhängnis.

Tüten-Teppich

Eine Einkaufstüte schwimmt 10 bis 20 Jahre im Meer, bis sie vollständig aufgelöst ist. Eine Einwegflasche zerfällt erst innerhalb von 450 Jahren, eine Angelschnur in 600 Jahren. Die dabei entstehenden Kleinteile – Mikroplastik – verschwinden nicht, sondern bilden einen Teppich am Meeresboden.

Wal-Desaster

Auch das Mittelmeer ist voll mit Plastik: Ein trächtiger Pottwal, der kürzlich tot an Sardiniens Küste angeschwemmt wurde, starb mit 22 Kilogramm Plastik im Magen. Darunter: ein Elektroschlauch, Plastikteller, Einkaufstüten, Angelschnüre und eine Waschmittelverpackung.

Recycling-Meister Deutschland? Von wegen.

Kaum ein Volk trennt so emsig seinen Abfall wie die Deutschen. Gelber Sack oder gelbe Tonne, rein mit dem Plastik – wird ja schließlich alles recycelt. Oder? Leider bekleckert sich Deutschland nicht mit Ruhm, was seinen Umgang mit Kunststoffabfällen betrifft: Das Sammeln funktioniert gut, danach jedoch fällt die Bilanz aus ökologischer Sicht ungünstig bis miserabel aus. Wohlwollende Kalkulationen kommen auf eine Plastik-Recyclingquote von 39 %, andere Rechnungen weisen sehr viel schlechtere Ergebnisse auf.

Fest steht: Die Deutschen sind Europameister beim Produzieren von Verpackungsmüll. Ein Großteil davon wird verbrannt, viel zu wenig wird wiederverwertet und Hunderttausende Tonnen werden jährlich nach Asien exportiert – wo sie auf Deponien oder direkt in der Natur landen.

Trotz aller Warnungen, Appelle und Forderungen nimmt der Plastikmüll weiter zu. Immerhin: Das EU-Parlament arbeitet daran, die Situation zu verbessern, und bringt das Verbot von Einwegplastik auf den Weg. Von 2021 an sollen Produkte wie Plastikteller, Einwegbecher, Besteck und Strohhalme in allen EU-Ländern aus den Regalen der Supermärkte verschwinden. Die Entscheidung hat das Potenzial, das hässliche Gesicht des Plastikkonsums minimal zu verschönern. Wer es mit dem Umweltschutz ernst meint, versucht, in allen Bereichen möglichst viel Plastikabfall zu vermeiden.

Wie und in welchen Bereichen des alltäglichen Lebens kann jeder am besten auf Plastik verzichten? Fünf Vorschläge können helfen:

1. Naturprodukte statt Kunstfasern

Immer mehr – vor allem preiswerte – Bekleidungsprodukte bestehen aus Kunstfasern wie Polyester. Beim Waschen lösen sich daraus winzige Faserteile, gelangen ins Abwasser und landen schließlich im Grundwasser oder im Meer. Ein Blick aufs Etikett vor dem Kauf lohnt sich also.

2. Seifenstück statt Flüssigwaschmittel

Haarshampoo, Handwaschseife, Duschgel – alles kommt in aufwendig hergestellten Plastikbehältern daher. Meist ist in den Waschmitteln auch noch Mikroplastik enthalten, das ins Abwasser gespült wird. Seifenstücke – in Papier gehüllt oder unverpackt gekauft – können eine Menge Plastikmüll vermeiden.

3. Aufräumen statt Zuschauen

An Stränden, in Parks, in den Bergen, auf der Straße – Plastikabfälle sind überall zu finden. Viele dieser Teile gelangen über Flüsse oder direkt ins Meer. Deshalb: Ärmel hochkrempeln, Müll aufsammeln und ordentlich entsorgen. Jede Aktion hilft.

4. Tasche statt Tüte

Noch immer kommen viel zu viele Plastiktüten zum Einsatz. Dabei ist es so einfach, darauf zu verzichten. Beim Lebensmitteleinkauf die eigenen Taschen oder Körbe nicht vergessen – und idealerweise noch wiederverwendbare Gemüsenetze mitnehmen.

5. Tasse statt Coffee-to-go-Becher

Hunderte Millionen Tonnen Plastik werden für Produkte hergestellt, die nur wenige Minuten genutzt werden, darunter: Plastikdeckel für Einwegkaffeebecher. Dabei gibt es mehrere andere Optionen: Das Getränk aus einer Tasse im Café trinken, einen eigenen Thermobecher benutzen oder den selbst gemachten Kaffee zu Hause oder im Büro genießen.

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