Interview mit Imker Frank Schmutzler

Interview mit Imker Frank Schmutzler

by Markus Niederhöfer

Was machen Bienen eigentlich im Winter? Und welche Aufgaben hat ein Imker? Frank Schmutzler (57) hat sein Hobby vor Jahren zum Beruf gemacht und betreibt gemeinsam mit seinem Sohn eine Imkerei in Düren-Birgel. Im Interview gibt er uns einen Einblick in die faszinierende Welt seiner summenden Schützlinge.

SWD: „Herr Schmutzler, vielen Dank dass sie sich Zeit für das Interview genommen haben. Wie sind Sie zu Ihrem außergewöhnlichen Beruf gekommen?

Frank Schmutzler: „Ursprünglich war es nicht mein Plan, hauptberuflich Imker zu werden. Nach meinem Studium der Biologie an der RWTH Aachen bis zum Jahr 1989 wollte ich eigentlich in die Zoologie gehen. Nach der Wiedervereinigung wurden in diesem Bereich allerdings viele Stellen abgebaut, ich brauchte also einen Plan B. Das Imkern habe ich in dieser Zeit bereits als leidenschaftliches Hobby verfolgt. Bis 1995 habe ich weiter an der Uni und im Uniklinikum Aachen gearbeitet, und mich im Anschluss als Imker selbstständig gemacht. Ich bin bis heute sehr froh, mein Hobby zum Beruf gemacht zu haben!“

 SWD: „Und wie sieht es heute bei Ihnen und Ihrem Betrieb aus?“

Frank Schmutzler: „Gemeinsam mit meinem Sohn betreue ich heute etwa 400 Bienenvölker und verkaufe Honig über verschiedene Hofläden. Mein Sohn ist seit drei Jahren mit an Bord, er hat in Bonn Landwirtschaft studiert und hat den Familienbetrieb kürzlich übernommen.“

SWD: „Kommen wir zu Ihrem Berufsalltag. Gibt es jetzt im Winter überhaupt etwas zu tun?“

Frank Schmutzler: „Der Zyklus der Bienen richtet sich nach dem jahreszeitlichen Kreislauf der Natur. Man sagt, das Bienenjahr beginnt am 1. August. Jetzt im Winter gibt es tatsächlich nicht viel für uns Imker zu tun. Wir kontrollieren lediglich, ob die Fluglöcher der Bienenstöcke frei sind und ob keine Beschädigungen durch z.B. Sturm entstanden sind. Die Bienen sitzen im Bienenstock, gut eingedeckt mit Futter, in der sogenannten Wintertraube. Wie eine Kugel sitzen sie zusammen in den Waben und sorgen durch Muskelzittern für Wärme. 20-25 Grad Stocktemperatur müssen sie halten, um nicht zu erfrieren.“

SWD: „Überleben denn alle Bienen den Winter?“

Frank Schmutzler: „Nein, am Tag sterben je nach Größe des Volks 5-30 Bienen. Über den Winter verteilt sind das ca. 3000 Bienen. Das Besondere ist, dass die Bienen merken, wenn ihre Zeit gekommen ist und über die Fluglöcher dann die Waben verlassen. Sie sterben draußen, um ihren Artgenossen keine Arbeit zu machen.“

Bienen im Bienenstock

Der Bienenzyklus orientiert sich am jahreszeitlichen Kreislauf der Natur.

 SWD: „Wann verlassen die Bienen ihre Winterruhe?“

Frank Schmutzler: „Das kommt immer ein bisschen auf das Wetter an. In einem strengen Winter sind die Bienen meist noch nicht so weit wie in einem milden. Als Faustregel kann man sagen, dass man ab rund 15 Grad das erste mal wieder schauen kann, wie es bei einem Volk aussieht. Wenn Weide und Hasel anfangen zu blühen und es warm genug ist, verlassen die Bienen den Stock für einen ersten Reinigungsflug, um ihre Kotblase vom Überwintern loszuwerden und beginnen, Pollen zu sammeln.“

SWD: „Und welche Rolle spielt die Bienenkönigin?“

Frank Schmutzler: „Sie sorgt für die Fortpflanzung. Die Königin verfügt über einen sogenannten Hofstaat, das sind Ammenbienen, die sie begleiten und versorgen. Sobald es wärmer wird, fängt dieser Hofstaat an, die Zellen zu putzen, in die die Königin dann ihre Eier legen kann. Je milder die Temperaturen, desto mehr Eier kann sie legen, auf dem Höhepunkt im Mai sind das etwa 2000 Eier am Tag, woraus schließlich Larven schlüpfen.

SWD: „2000 Eier am Tag ist ja eine Menge! Wie lange dauert es denn, bis die Larven schlüpfen?“

Frank Schmutzler: „Junge Königinnen schlüpfen nach 16 Tagen in den sogenannten Weiselzellen, Arbeiterinnen brauchen 21 Tage und Drohnen (männliche Bienen) 24 Tage. Gefüttert werden sie von den älteren Arbeiterinnen, die den eingelagerten Blütenpollen in den Waben zu einem Nahrungsbrei verarbeiten.“

SWD: „Wie funktioniert das mit den alten und jungen Königinnen? Vertragen die sich?“

Frank Schmutzler: „Die gehen sich aus dem Weg. Wenn im frühen Sommer viel Nahrung da ist vermehren sich die Bienen stark, pro Volk können das bis zu 60.000 Tiere werden. Sie werden dann schwarmlustig, es muss Platz geschaffen werden. Kurz bevor die jungen Königinnen schlüpfen, setzt sich die alte Königin mit einem Teil der Bienen ab und gründet ein neues Volk. Wenn dann die erste Jungkönigin schlüpft, schwärmt auch sie mit rund 10.000 Bienen aus und wird in der Luft von 10-20 Drohnen begattet. Danach bleibt sie nur noch im Stock und legt Eier. Die zweite Jungkönigin macht das gleiche, wenn auch mit weniger Schwarmbegleitung. Vorher sorgt sie dafür, dass keine weiteren Königinnen mehr schlüpfen. Sie beißt die Weiselzellen auf und sticht die Nachkömmlinge mit ihrem Stachel ab.“

SWD: „Das klingt schon etwas brutal. Sterben Bienen nicht, wenn sie ihren Stachel einsetzen?

Frank Schmutzler: „Wenn sie einen Menschen stechen, ist das der Fall, da sich der Stachel in der Haut verhakt. Beim Einsatz gegen Insekten ist das anders, sie können sich zum Beispiel auch problemlos gegen Wespen zur Wehr setzen.“

SWD: „Jetzt haben wir bereits viel über den Jahreszyklus der Bienen erfahren. Was sind nun Ihre Hauptaufgaben als Imker?“

Frank Schmutzler: „Wir beschäftigen uns hauptsächlich damit, die Bienenvölker zu teilen und das Ausschwärmen zu verhindern. So stellen wir sicher, dass genug Honig geerntet werden kann. Die Völker sollen nicht an den Punkt kommen, an dem sie denken, sie seien stark genug sich zu vermehren und zu schwärmen. Das wäre schlecht für den Honigertrag. Man verhindert dies, indem man Ableger bildet, etwa 2-3 Kilometer weiter weg vom alten Stock. Bei mir ist es so, dass ich von den 400 Völkern, um die ich mich kümmere, jeweils zwei Ableger bilde. Wir stellen dort neue Kisten auf, ernähren die Völker künstlich und entfernen einige Waben. Zudem halten wir den Volksbestand jung, um weniger Probleme mit Krankheiten zu haben und keinen Anlass zum Schwärmen zu geben.“

SWD: „Wann kann der Honig geerntet werden?“

Frank Schmutzler: „Mitunter kann ab Mai mehrmals geerntet werden. Im Sommer werden die Bienenvölker dann komplett abgeerntet und die Waben den Bienen leer überlassen. Oben drauf kommt dann Zucker oder ein spezieller Futterteig, beides wird von den Bienen dann zu Zuckersirup verarbeitet, der ihnen als Winterfutter dient. Das überflüssige Winterfutter entnehmen wir nach der Winterruhe, um eine Honigverfälschung zu vermeiden.“

SWD: „Man hört immer wieder wie wichtig die Bienen für die Artenvielfalt und somit auch für den Menschen sind. Wie kann man sie schützen?“

Frank Schmutzler: „Dazu muss man sagen, dass die klassische Honigbiene, die von Imkern betreut wird, nicht gefährdet ist. Bedroht durch Abholzung, Baumaßnahmen, Pestizide usw. sind die Wildbienenarten. Sie leben solitär, das bedeutet nicht in einem großen Volk, sondern einzeln oder in Kleinstvölkern. Sie überwintern auch allein und sind sehr anfällig. Schützen kann man sie am besten, in dem man Bienenhotels baut. Die funktionieren so ähnlich wie Vögelbrutkästen. Man gibt den Wildbienen die Möglichkeit, Völker zu gründen, Nester zu Bauen und Eier zu legen, sodass sich ihr Bestand erholen kann. Zudem kann man Blumenmischungen aussähen, wo etwas blüht gibt es auch immer eine bunte Artenvielfalt! Vermeiden sollte man „tote Flächen“, also Pflaster, Kunstrasen oder Betonwüsten. Auch der Einsatz von chemischen Pestiziden ist schädlich für die Tiere. Vor allem Hobbygärtner setzen es oft großzügig ein. Besser ist es, auf biologische Mittel zurück zu greifen.“

 

Die SWD haben mehrere Bienenvölker von Frank und Mark Schmutzler in Obermaubach auf ihren Flächen angesiedelt. Dort sollen Besucher und insbesondere Schulklassen die Möglichkeit bekommen, die Bienenvölker aus der Nähe zu beobachten. Natürlich unter fachkundiger Leitung der Imker. Interessierte Besucher melden sich einfach per E-Mail an heike.stolz@stadtwerke-dueren.de.

Besten Dank noch einmal an Frank Schmutzler für das nette Gespräch und die fachkundigen Infos!

 

 

Markus Niederhöfer

Auszubildender E-Commerce

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