Das Ende der Ladehemmung

Das Ende der Ladehemmung

by Markus Niederhöfer

Bis 2030 sollen mehr als sieben Millionen Elektroautos durch Deutschland fahren, noch aber fehlen die nötigen Ladesäulen. Mit üppigen Zuschüssen kurbelt der Bund die Installation öffentlicher und privater Ladestationen an. Auch Wohnungseigentümer und Mieter haben es künftig leichter, eine Wallbox einzurichten.

Das vergangene Jahr ging als Rekordjahr in die Geschichte der Elektromobilität ein. Nie zuvor wurden in Deutschland so viele Elektroautos zugelassen: Ihre Zahl hat sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdreifacht. Fast jeder siebte bundesweit neu zugelassene Wagen fährt inzwischen mit Elektroantrieb.

Einer der Hauptgründe: die Förderung der Bundesregierung, die bis 2025 verlängert und deutlich erhöht wurde. Käufer von reinen Elektroautos bekommen nun vom Bund und dem jeweiligen Hersteller insgesamt einen Zuschuss von bis zu 9 000 Euro. Für Plug-in-Hybride – also Autos mit Elektro- und Verbrennungsmotor – gibt es bis zu 6 750 Euro. Die großzügige Förderprämie soll die E-Mobilität weiter anschieben. Denn trotz hoher Zuwächse bei den Neuzulassungen ist der Anteil der Elektroautos auf Deutschlands Straßen insgesamt noch immer gering: 2020 kletterte der Anteil der Elektroautos am gesamten Fahrzeugbestand von 0,5 auf 1,2 Prozent. Will Deutschland seine Klimaziele erreichen, müssen es deutlich mehr E-Mobile werden. Bis 2030 soll der Verkehrssektor bis zu 42 Prozent weniger Treibhausgase verursachen als noch 1990. Dafür braucht es laut Bundesumweltministerium sieben bis zehn Millionen Stromflitzer.

Gesucht: Mehr Ladepunkte

Doch die Kaufprämie allein hilft wenig, wenn Autofahrer in manchen Regionen Deutschlands lange suchen müssen, bis sie eine Stromtankstelle finden. Vor allem in ländlichen Regionen mangelt es noch an Ladestationen: Im November 2020 gab es rund 33 000 öffentliche Ladepunkte in Deutschland, die meisten davon in Städten. Laut dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) benötigen schon eine Million Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen rund 70 000 Normal- und 7 000 Schnellladepunkte. Das weiß auch der Bund und treibt den Ladesäulenausbau voran: In den nächsten Jahren will das Verkehrsministerium vier Milliarden Euro in die öffentliche, private und gewerbliche Ladeinfrastruktur investieren.

Aufladen meist vor der Haustür

Besonders im Fokus der Regierung: der private Sektor. Bis zu 85 Prozent der Ladevorgänge werden in den kommenden Jahren im privaten Raum stattfinden, prognostiziert ein von der Regierung beauftragtes Expertengremium. Finanzielle und technische Hürden erschweren die Installation privater Ladestationen, sogenannter Wallboxen, allerdings noch häufig. Um mehr Autofahrer von ihrem Einbau zu überzeugen, beschloss der Staat Ende 2020 eine Wallbox-Prämie. Von ihr profitieren insbesondere private Hauseigentümer mit eigenem Stellplatz und Stromanschluss in der Garage.

Für Fahrzeughalter, die in einem Mehrfamilienhaus leben, wird es schon schwieriger. Doch auch hier räumt der Gesetzgeber einige Hürden aus dem Weg: Das überarbeitete Wohnungseigentumsmodernisierungsgesetz (WEMoG) erleichtert die Installation einer Wallbox. Mussten Wohnungseigentümer früher noch auf die Zustimmung der Miteigentümer warten, haben sie nun grundsätzlich einen Anspruch auf den Einbau einer Ladestation. Die Kosten trägt der Antragsteller. Zudem muss er den Netzbetreiber informieren oder sich von ihm den Bau der Wallbox genehmigen lassen.

Möglichkeiten für Mieter

Mieter mit Wallbox-Wunsch, die in einem Mietshaus wohnen, müssen ihr Anliegen direkt mit ihrem Vermieter klären. Hier greift nicht das WEMoG, sondern das Mietrecht. Der ADAC empfiehlt, sich Mitstreiter für sein Anliegen zu suchen. Selbst wenn zurzeit nur ein Mieter auf ein E-Auto umsteigen will, könnten es künftig ja mehr werden. Je mehr Mieter sich an einer Ladeeinrichtung beteiligen, desto geringer fallen langfristig die Kosten für jeden Einzelnen aus, argumentiert der Automobilclub.

Zu mehr privaten Lademöglichkeiten könnte auch das geplante Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetz führen. Der Gesetzesentwurf sieht vor, dass bei Neubauten und größeren Renovierungen unter den Parkplätzen gleich Leerrohre verlegt werden. So wäre eine Nachrüstung sehr einfach. Kabel, die für den Anschluss von Ladepunkten benötigt würden, ließen sich unkompliziert einziehen.

Zuschüsse für Wallboxen

Über die KfW Bankengruppe können private Wohnungseigentümer, Vermieter und Mieter pro Ladepunkt mit einer Ladeleistung von elf Kilowatt einen Zuschuss von 900 Euro beantragen. Darin enthalten sind auch der Einbau und Anschluss, das Energiemanagement-System zur Steuerung sowie alle nötigen Installationsarbeiten. Allerdings muss der Ladestrom ausschließlich aus erneuerbaren Energien stammen. Wichtig: Die Gesamtkosten müssen mindestens 900 Euro betragen. Liegen sie darunter, gibt es keinen Zuschuss.

Mehr Infos zur Förderung gibt’s unter www.kfw.de. Einen ausführlichen Leitfaden zur eigenen Wallbox finden Sie unter www.adac.de

Übrigens:

Im November 2020 gab es in Deutschland 33 107 öffentliche Ladepunkte. Jeder zehnte davon ist ein Schnelllader.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.